TANZTHEATER

 

Feste feiern

„Weißt du noch, „früher“,
da wurden immer wieder Feste gefeiert.
Die Menschen freuten sich darauf,
die ganze Familie vielleicht
oder ein Dorf oder ein ganzer Landstrich.
Alle bereiteten sich vor, es galt etwas zu feiern:

Ein Fest zu Ehren eines Menschen,
ein Fest als Dank an die Göttin,
ein Fest aus Freude am Sein.
Und die Freude,
die gemeinsame Freude am Feiern,
am Ehren und Danken,
ergab ein großes Klingen und Vibrieren.

Du weißt es, nicht wahr:
Die Erde, dieses wunderbare Wesen,
schwingt auch heute noch bei allen Festen mit,
und wir können es mit jeder Faser unseres Wesens spüren…“

Jutta Ringel

„Das Fest- Ein Tanztheaterritual“

Ein Fest feiern heißt nämlich zweifellos soviel wie etwas tun, das aus jeder denkbaren Beziehung auf fremde Zwecke und aus allem „damit“ und „um zu“ herausgenommen ist. Nirgendwo sonst als im Bereich des In-sich-selbst-sinnvollen-Tuns kann man sich das wahre Fest angesiedelt denken. Zum Fest wird aber das fest allein dadurch, dass der Mensch die Gutheit des Seins durch die Antwort der Freude bekräftigt. Grund zur Freude ist, dass einer empfängt oder besitzt, was er liebt. Ein frühchristlicher Grieche hat gesagt: „Fest ist Freude und nichts sonst.“

Das Projekt „Das Fest- Ein Tanztheaterritual“ rückt das Fest im Sinne eines In-sich-selbst-sinnvollen-Tuns in den Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung.
Die Sparten Tanz, Schauspiel, Musik und Kunst werden zu einem Gesamtkunstwerk zusammengeführt, bei dem die Feier der Lebenszyklen von Werden, Wachsen, Reifen und Vergehen; Geburt und Tod; der Rhythmus der Jahreszeiten im Vordergrund stehen. Über die vielfältigen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten der einzelnen Kunstsparten soll die Verbindung des Menschen zu seiner inneren und äußeren Natur und ihren Gesetzmäßigkeiten nicht nur erlebt und ausgedrückt, sondern gleichsam geehrt und gefeiert werden.

Die Feier der Lebenszyklen von Werden, Wachsen, Reifen und Vergehen- sind die elementaren Mysterien, deren Akzeptanz das Leben über alle kulturellen und territorialen Grenzen mit Sinn erfüllt. Die Zyklen der Natur und die elementaren universell gültigen Aspekte menschlichen Lebens zu feiern schafft Integrationspotential und Identitätsfindung.

Im Ruhrgebiet lässt sich das Potential einer „zeitgenössischen“ Rückkehr zur Natur eindrucksvoll an der Industriekultur verfolgen: brachliegender Industrieraum wurde neu belebt, neuer Lebens-, Arbeits- und Kulturraum wurde geschaffen. Die Industriekultur führt ihre Denkmäler den Menschen und der Natur wieder zu.

Inhaltliche Grundlage und Inspirationsquelle der künstlerischen Arbeit ist die Beschäftigung mit den afro-brasilianischen Gottheiten des Candomblé. Die 12 Gottheiten repräsentieren elementare Naturkräfte und menschlichen Leidenschaften und finden in der afro-brasilianischen Trance-Tanz-Kultur ihren Ausdruck. Sie entsprechen den Archetypen C.G.Jungs und sind von universeller Gültigkeit.
Ein improvisatorischer Zugang zu diesen Archetypen schafft die Möglichkeit, eine innovative, eigenständige Bewegungssprache zu entwickeln und die symbolische Kraft der universellen Aspekte in einen zeitgenössischen Kontext zu stellen.

Ein weiterer Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit wird die Auseinandersetzung mit der Form des Mandalas sein. Das Mandala, Sanskritwort für Kreis – den Kreis der Ewigkeit – ist ein mystisches Diagramm in Form eines Kreises oder Vielecks, das die Ganzheit, die Einheit aller Dinge symbolisiert. Das Muster eines Mandala folgt dem Kreis mit einer Mitte. Mandalas sind Ausdruck des Selbst (C.G. Jung)

Die Mandalas werden als verschiedene Energieformen getanzt, gespielt und gesungen. Mit Naturmaterialien wie Sand, Blüten und Blätter werden bildene Künstlerinnen magische Diagramme auf dem Tanzplatz gestalten, die den Prozess des Werden, Wachsens und Vergehens spiegeln. Durch die Tänzerinnen erfahren diese Kunstwerke eine Verwandlung. Sie werden zu lebendigen Ritualen, zu magischen Räumen.
Die Choreographien folgen dem Diagramm. Die Drehung innerhalb der Kreisform ist zentraler Bestandteil der Choreographien, die der Improvisation Raum geben.

Das Fest wird von Schauspielerinnen moderiert, die über das gesprochene und gesungene Wort Mythen und Rituale lebendig werden lassen und mit den Tänzerinnen und Musikerinnen in Kommunikation treten.
Schauspiel, Musik, Tanz und Kunst, vier verschiedene Ausdrucksmittel fließen ineinander und kommunizieren miteinander. Es entsteht eine neue Audrucksqualität, die die verschiedenen Sprachen zu einer neuen Bühnensprache verbindet.

Das Fest wird auf einer runden Bühne gefeiert. Der Zuschauer wird Element eines Festrituals, er wird Teil eines Mandalas.

Ziel des Projektes ist die Linearität des Bühnengeschenhens aufzuheben und einen künstlerischen Ausdruck zu finden, der das archaische Moment der Ganzheitlichkeit von Kunst und Leben wieder herstellt.

Künstlerische Leitung: Barbara Sering
Projektstart: 01.02. 2018
Ort Proben: Zentrum für Tanz und Bewegung, Lothringer Str. 36b, Bochum-Gerthe

Nähere Infos: 0162 63 99 248

https://es-tanzt.de/ritualtanz/
https://es-tanzt.de/ritualtanz/